Arzneisuche auf Papua Neuguinea

von Robert Müntz

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Seit dem Jahr 1990 unternehme ich Reisen in die Tropen, um die Natur hautnah zu erleben, lasse dabei Familie und Betrieb zurück und begebe mich in das nach Moder riechende Grün. Dabei führte es mich an den Oberlauf des Amazonas, nach Peru, nach Venezuela, mehrmals an den Amazonas in Brasilien, nach Surinam, Madagaskar und im vergangenen Jahr nach Ostkalimantan auf Borneo.

War es früher die reine Abenteuerlust, so sind es heute darüber hinaus auch  Bestellungen von neuen oder bereits bekannten homöopathischen Arzneien der Materia Medica, die mich als Apotheker in den Regenwald führen.
Natürlich kann der Aufwand einer derartigen Reise nicht auf den Preis des gesuchten Arzneimittels umgelegt werden. Der Preis einer derartigen Arznei ist um keinen Cent höher als alle übrigen in unserem Lager, ich betrachte dies vielmehr als eine Art Öffentlichkeitsarbeit, die mit dem Vertrauen der Therapeuten honoriert wird.

Da bei neuen Arzneien naturgemäß keine Monographien vorliegen, also genaue Vorschriften in Arzneibuch zur Identität, Reinheit und Potenzierungsmethode des konkreten Ausgangsstoffes fehlen, obliegt es in diesen Fällen mir als Hersteller, zusätzlich auch eine Hausmonographie zu erstellen, wodurch eine Standardisierung der Arzneiqualität erfolgt.

Wenn durch Anforderung eines Homöopathen eine neue Arznei in die homöopathische Therapie eingeführt werden soll, muss man sich naturgemäß zwei Fragen stellen:

 

  • Nach welcher Methode soll die Arznei potenziert werden - nach dem Organon  6  S. Hahnemanns oder nach dem HAB 2004? Beide Vorschriften haben Vor- und Nachteile. Es ist in diesem Zusammenhang. wesentlich zu wissen, welche Eigenschaften bzw. Inhaltsstoffe in einer Pflanze zu finden sind. Vorwiegend wasserlösliche Inhaltsstoffe bedingen eine andere Methode als jene, die beispielsweise viel ätherisches Öl und Harze enthalten.
    Hahnemanns Organon-Vorschrift ist sehr aufwändig, bringt aber sehr kraftvolle Arzneien hervor. Diese magistrale Zubereitungen geben wir auch nur aufgrund einer ärztlichen Verordnung abgegeben werden.
  • Wie ist damit umzugehen, dass das Arzneimittelbild für die neue Arznei noch nicht erforscht ist? [1]

 

Gemäß Samuel Hahnemann ist für eine erfolgreiche homöopathische Therapie die Potenzierung des Arzneistoffes nicht zwingend erforderlich, sondern lediglich die Anwendung gemäß dem Ähnlichkeitsgesetz. Hahnemann wendete zu Beginn seines Schaffens ausschließlich Urtinkturen und Arzneigrundstoffe in nichtpotenzierter Form erfolgreich an. Das Simileprinzip kann auch - und dessen sollte man sich als Pharmazeut bewusst sein -  bei Verwendung nichtpotenzierter Arzneien erfüllt werden.[i]

Die Prüfung des Homöopathikums am Gesunden war für ihn eine "Conditio sine qua non". Damals wie heute wird für eine Arzneimittelprüfung das Mittel in homöopathische potenzierter Form – meist eine C30, also weit jenseits der stofflichen Grenze – drei mal hintereinander verabreicht. Die in der Folge auftretenden auffallenden Symptome werden vom Probanden notiert und nach drei Wochen vom Prüfungsleiter zusammengefasst, der diese der Häufigkeit und Bedeutung nach hierarchisch ordnet und so zu einem Arzneimittelbild zusammengefügt. Dieses steht nach Veröffentlichung dem Therapeuten für die Wahl des Simile als Bestandteil eines Repertorisierungsprogrammes zur Verfügung. [ii]

Vielfach scheint heute Hahnemanns Grundsatz der vorangehenden Arzneimittelbildprüfung nicht mehr diese zwingende Bedeutung in der homöopathischen Therapie zu besitzen, denn nun treffen Homöopathen öfter auch die Entscheidung der Arzneiwahl ausschließlich in bezug auf deren Signatur, also des äußeren Erscheinungsbildes, ohne das Arzneimittelbild zu kennen.

Dieses intuitive Vorgehen scheint auf den ersten Blick wenig erfolgversprechend zu sein, doch Ergebnisse aus der Praxis rechtfertigen immer wieder die Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens, was mich darin bestätigt, alljährlich Expeditionen zur Beschaffung neuer Arzneien zu unternehmen.

Die Arzneisuche vor Ort gestaltet sich keineswegs immer zielorientiert, denn vielfach „stolpert“ man über eine interessante Substanz, die nach Aufarbeitung erst Jahre später Eingang in die Materia Medica findet.

So wurde die von mir im Jahre 1995 aus dem Fett der Abgottschlange hergestellte neue Arznei – Adeps boae constrictoris – nach Prüfung und Publikation ein weltweit bekanntes und verwendetes Mittel und man findet es in allen gängigen Repertorien unter der Rubrik „Umklammern“ angeführt.[iii]

 

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Boa constricor, Rio Negro

 

Bei der diesjährigen Reise waren es die Haut eines Alligators oder Krokodils [iv], sowie eine Orchidee, die ich für die Arzneiherstellung zu sammeln hatte. [v]

Die Wahl des diesjährigen Reisezieles fiel auf Papua Neuguinea, wofür die Berichte über die Urzeitlichkeit des Landes und die Artenvielfalt von Flora und Fauna - auch aus der Sicht der Homöopathie - ausschlaggebend waren.

So machte ich mich gemeinsam mit einem tropenerfahrenen Freund für 23 Tage auf die Reise nach Papua Neuguinea, im Gepäck eine umfangreiche Foto- und Videoausrüstung, medizinische Vorsorge, Hängematte und Miniaturlabor, sowie Moskito- und Pfefferspray zum Selbstschutz.

 

Das Reiseziel

Papua Neuguinea ist der zweitgrößte Inselstaat und liegt im Pazifik, er wird zum australischen Kontinent gerechnet und umfasst den Osten der Insel Neuguinea (der westliche Teil gehört zu Indonesien) sowie mehrere vorgelagerte Inseln.

Die Insel wurde von spanischen und portugiesischen Seefahrer zu Beginn des 16. Jahrhunderts entdeckt, wenig später begann man mit der Ausfuhr von Edelhölzern, Gold, Silber, Kokosnüssen und Kautschuk.

Im 19. Jahrhundert bemächtigten sich die Holländer des Westteiles der Insel, der Ostteil - das heutige Papua Neuguinea – wurde zum Streitpunkt zwischen England und Deutschland. Das Deutsche Reich annektierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Norden der Insel und nannte ihn Deutsch-Neuguinea, der Süden blieb unter Englischer Führung. Seit dem Jahre 1975 ist Papua-Neuguinea unabhängig und Mitglied des Commonwealth of Nations, das offizielle Staatsoberhaupt ist Queen Elizabeth II.

Unter den rund 5,3 Millionen Einwohnern werden Schätzungen zufolge über 800 Sprachen gesprochen, das sind je nach Angabe zwischen 11 und 25 Prozent der lebenden Sprachen der Welt.

 

DAS LAND

Die Landschaften zeigt sich dem Besucher äußerst vielfältig und abwechslungsreich. In den durch starke Höhenunterschiede gekennzeichneten Gebirgen befinden sich spitze Bergkuppen, breite Täler, Gletscher, Regenwald, Vulkane, Grasflächen, Hochgebirgswald und alpine Ebenen. Durch die geologisch sehr junge Formation wirkt das Land „urzeitlich“, die Erosion hat noch kaum Spuren hinterlassen.

Zwischen Gebirge und Küstenland befinden sich Mangrovensümpfe, Savannen, fruchtbares Schwemmgebiet von Flüssen und Regenwald, vor der Nordküste liegen ausgedehnte Korallenriffe mit vulkanischer Aktivität.

 

Die abgeschiedenen Täler der Gebirgswelt Papua Neuguineas sind für Fremde eher unzugänglich und das soziale Leben der dort lebenden Menschen ist schwierig mitzuerleben. Oftmals herrschen Stammesfehden und immer wieder kommt es zu brutalen Auseinandersetzungen zwischen den Stämmen.

So wurden während unseres Aufenthaltes auf PNG fünf Menschen im Lauf einer Auseinandersetzung in der Nähe von Tari – einer Ortschaft in den Western Highlands - mit Pfeil und Bogen getötet.

Generell kann man über PNG sagen, dass die Aggressionsbereitschaft äußerst hoch ist. Hat man beispielsweise auf einer der wenigen Straßen des Landes einen Autounfall mit Personenschaden, insbesondere mit Beteiligung eines Kindes, wird allgemein empfohlen, sofort weiterzufahren. Die Meldung des Unfalles sollte bei einer vom Unfallort entlegenen Polizeistelle erfolgen, da man sonst Gefahr läuft, von der Bevölkerung gelyncht zu werden.

Die Bevölkerung Papua Neuguineas wird oft mit Kannibalismus in Zusammenhang gebracht. Tatsächlich konnten uns mehrere Personen über die Geschichte der Menschenjagd in ihrem Dorf und den Geschmack von Menschenfleisch Auskunft geben.

Im Jahre 1957 wurde erstmals eine Krankheit - genannt Kuru – beschrieben. Sie trat ausschließlich bei einem Stamm Neuguineas auf, wo  aus rituellen Gründen Kannibalismus betrieben und das Gehirn von Toten verspeist wurde. Kinder und Frauen waren vor allem bei der Vorbereitung der Organe zum rituellen Mahl beteiligt, was auch die Erklärung für das gehäufte Erkranken dieses Personenkreises ist. Das Krankheitsbild ist durch das rasche Voranschreiten neurologischer Symptome gekennzeichnet. Dazu gehören Gangunsicherheit, Muskelschwund und zunehmende Lähmungen. Als besonders charakteristisch für Kuru wird ein schauerartiges Zittern beschrieben.

In vielen Dörfern im Gebiet des Flusses Sepik findet man neben den Trophäen der Menschenjagd noch sogenannte Bloodstones, Stätten ritueller Opferung des Blutes von getöteten Feinden. Diese Blutsteine befinden sich häufig am Ortseingang und wurden nach Kriegshandlungen mit dem Blut der getöteten Feinde übergossen, um dadurch dem Dorf den guten Anteil der Seele des Feindes zu erhalten.

Der Kannibalismus in Papua Neuguinea hatte immer den Charakter der Bestrafung von Feinden und wurde bis in die Zeit des 2. Weltkrieges praktiziert. Danach wurden von der Regierung schwere Strafen für den Verzehr von Menschenfleisch verhängt, wodurch dieser Ritus heute fast in Vergessenheit geraten ist.

 

Das Schwein verleiht in PNG Ansehen und Macht.

Reichtum in Form von Schweinen wird nur für wenige Jahre angehäuft. Danach werden die Schweine an die Gemeinschaft des benachbarten Dorfes weitergegeben, können aber auch wieder eingefordert werden.

In PNG stehen jene Personen, die bereitwillig Geschenke verteilen, in besonders hohem Ruf („Big Man“) und Personen mit hoher Verschuldung genießen hohes Ansehen. Ebenso kann auch jeder Rechtsbruch durch die Zahlung von lebenden Schweinen gesühnt werden, ein Ergebnis der Arbeit europäischer Missionare der vergangenen Jahrzehnte. 

Man gestattete uns, bei einem bunten und lautstarken Treffen zweier Stämme mit dabei zu sein, bei dem es um die Aushandlung des Brautgeldes einer bevorstehenden Hochzeit ging.

 

Das Leben im Tiefland

Der Sepik im Nordwesten des Landes ist der wasserreichste Fluss der Erde, er ist an einigen Stellen fast 600 m breit und steigt bei Hochwasser um 5 – 7 m an.

Hier gibt es neben den Häusern der Elementarfamilien zusätzlich ein Männerhaus und die Zeremonialwiese.

Zur Initiierung werden die jungen Männer im Alter von 15-16 Jahren für 2-3 Monate in diesem sogenannten „Spirithaus“ untergebracht und in das Wissen der Männerwelt eingeweiht.

  

Äußere Zeichen der erfolgten Initiierung sind die kunstvollen Narben am Oberkörper als Zeichen der Verehrung des Krokodils.

Dazu wird die Haut von Brustkörper und Schulterpartie in einem charakteristischen Muster mit einem scharfen Messer eingeschnitten und Schlamm aus dem Sepik in die Wunde gebracht. Die Häuser sind ungefähr drei Meter hohe Pfahlbauten mit einer Wohnfläche von etwa 70 qm. Sie werden aus pflanzlichem Material der Sagopalme hergestellt.

Auch als Lieferant von Mehl für Brotfladen und Pudding dient diese für die Menschen in PNG wichtige Palme.

Frauen versorgen die Kinder, fangen Fische, verkaufen Waren auf dem Markt, bereiten Mahlzeiten zu und stellen ihr Arbeitsmaterial, wie Fischreusen und Netze selber her.

 

Der Bereich unter der Plattform dient in der Trockenzeit als Schattenplatz und Werkstatt.

Einige Wochen vor meiner Abreise nach Papua Neuguinea erhielt ich vom Homöopathen Marty Begin den Auftrag, eine Arznei vom Kaiman oder dem Krokodil anzufertigen.

So richtete ich auch mein Reiseziel und Ausrüstung dahingehend aus: In Neuguinea leben zwei Krokodilarten. Das kleinere Neuguineakrokodil (Crocodylus novaeguineae), das bis zu 5 Meter lang wird, aber im Durchschnitt meist nur um die 2,90 Meter, und das größere und kräftigere Leistenkrokodil (Crocodylus porosus). Beide Krokodile unterscheiden sich erheblich in ihrem Verhalten und bewohnen verschiedene Lebensräume. Während man das Neuguineakrokodil besonders in den Süßwasserflüssen und Seen findet, kommt das Leistenkrokodil im Salzwasser der Küstenbereiche vor.

  

Das Verbreitungsgebiet liegt in Indonesien ( Irian Jaya ) und Papua-Neuguinea.

Da man fast alle Teile des Krokodils (Fleisch, Knochen, Öl) verarbeiten kann, ist es nach wie vor ein begehrtes Jagdtier in Neuguinea. Dies verschaffte mir auch die Möglichkeit, an die Arznei heranzukommen, ohne selbst das Reptil erlegen zu müssen. Ein Fischer im Gebiet des Karawary-River/Black Water im Sumpfgebiet des Nordwesten PNGs. verkaufte mir ein das Schwanzstück eines jüngst erlegten Exemplars von Crocodylus novaeguineae.

Ich fertigte daraus die Arznei nach Vorschrift 4b des HAB 2004 an. Von der Anfertigung einer C3-Trituration nahm ich wegen der schlechten hygienischen Situation in unserem Lager Abstand.

                       

Ordnung: Crocodylia (Krokodile)
          Unterordnung: Eusuchia (Vollkrokodile)
                    Familie: Crocodylidae (Echte Krokodile)
                          Gattung: Crocodylus (Krokodile i. e. S.)
                            Art: Crocodylus novaeguineae (Neuguinea-Krokodil)

In der Homöopathie gab es bisher lediglich die Arznei „Krokodilwächter“, sie stammt von der Feder des Vogels Pluvianus aegypticus und wurde von Karl Josef Müller in die Therapie eingeführt.[vi]

Man findet die etwa 20 cm großen Vögel auf den Sandbänken und an den Ufern von Flüssen und Seen Ägyptens sowie im tropischen Afrika von Senegal bis Äthiopien, Uganda und Nordangola, sie leben meist paarweise und zählen zur Unterfamilie der Rennvögel. Sie ernähren sich von Insekten, Weichtieren und allem möglichen Essbaren, sofern es nur die richtige Größe hat. Angeblich sollen diese Vögel - wie bereits von Aristoteles beschrieben - Nahrungsreste und Parasiten aus den geöffneten Rachen von ruhenden Krokodilen entfernen. Sicher ist nur, dass Krokodile auf die Bewegungen der Krokodilwächter achten: Sobald sich die Vögel beunruhigt zeigen, werden auch die großen Echsen besonders aufmerksam.

 

Echsenarzneien in der Homöopathie:

Heloderma horridum               Skorpion-Krustenechse  [vii]  [viii]

Heloderma suspectum            Gila-Krustenechse  [ix]  [x]  [xi]

Iguana iguana                         grüner Leguan  [xii]

Lacerta agilis                          Zauneidechse [xiii]  [xiv]  [xv]  [xvi]

 

 

SINGSING

Wenn man als Besucher des Westens erstmals nach PNG kommt, wird man ganz sicher vom weit verbreiteten Brauchtum des „Singsing“ beeindruckt, eine lautstarke und sehr bunte Art des traditionellen Tanzes, die auch sehr viele urzeitliche Elemente enthält. Die Bedeutung des „Sing-Sing“, der saisonalen Versammlung, könnte man mit „Konfrontation“ oder sogar mit „Begleichung alter Rechnungen“ übersetzen. Obwohl im Begriff eine aggressive Konnotation mitschwingt, weist der Sing-Sing alle Elemente eines Festes auf, bei dem der Tanz die wichtigste Rolle spielt.

 

Die Orchideen

Man findet auf Papua Neuguinea mehr als 9000 Pflanzenarten, davon mehr als 3000 Orchideenarten.

Im Tiefland des Sepik-Flusses stießen wir auf eine ganz besondere Orchidee: Dendrobium lasianthera (Dendrobium ostrinoglossum) oder Sepik Blue Orchid. Sie wurde im 2. Weltkrieg von einem Offizier der Alliierten namens Captain Blood entdeckt und durch die feindlichen Stellungen der Japaner bis nach Port Moresby gebracht, wo er sie dem Botanischen Garten übergab.

 

Für Jan Scholten wurde diese Orchidee nach HV4a des HAB verarbeitet.  Dieser Homöopath nimmt sich der großen Pflanzenfamilie der Orchidaceen seit einiger Zeit an und erforscht deren therapeutisches Potenzial. [xvii]

Obwohl bereits 250 Jahre seit Hahnemanns Geburtstag vergangen sind, wurden erst wenige Vertreter der Orchideen in der Homöopathie eingesetzt. Leider ist allen mehr oder weniger gemeinsam, dass sie bis heute nur ungenügend einer Prüfung des Arzneimittelbildes unterzogen wurden.  [xviii]

Von den in unserer Arzneidatenbank aufscheinenden 1700 Arzneien aus Pflanzen sind nur 8 Orchideen.

 

Coelogyne pandurata [xix]
Corallhorhiza odontorhiza [xx]  [xxi]  [xxii]
Cypripedium calceolus var. pubescens  20  [xxiii]  [xxiv]  [xxv]
Orchis mascula    ohne Quellenangabe
Spiranthes autumnalis  6  19  [xxvi]
Vanilla planifolia   6  [xxvii]  [xxviii]

 

MUMU

Mumu ist der Name für eine besondere Art der Zubereitung von Fleisch im Erdlochofen, die auf der ganzen Insel zu finden ist. Man gräbt ein Erdloch, entzündet darin ein Feuer und legt Lavagestein dazwischen. Sobald diese genügend Hitze gespeichert haben, werden die restlichen brennenden Holzstücke entfernt. Auf dem Gestein werden schichtweise Bananen und Palmblätter ausgelegt, die nun mit KauKau, einer Süßkartoffelart, Kochbananen, Kraut und Gewürzen belegt werden.

Nun folgen wieder heiße Steine, auf die Fleisch von Schwein, Rind, Huhn oder auch vom Kasuar gelegt wird. Abgedeckt wird wieder mit feuchten Blättern, sodass die Hitze nicht entweichen kann. Nach etwa einer Stunde ist es soweit und der Geruch aus dem Erdloch gibt eine Vorahnung vom köstlichen Inhalt.

 

Der Kasuar

Es war für mich in den vergangenen Monaten auffallend festzustellen, wie groß zurzeit das Interesse an neuen Vogelarzneien ist. Mehrmals wurde ich schon gebeten, die Federn eines bestimmten Exemplars zu potenzieren. Ich erinnere mich an die Arznei "Steinadler", für deren Beschaffung ich mich im vergangenen Jahr in den Tiroler Bergen aufhielt und feststellen musste, welch hohen Anwert eine Feder dieses Vogels bei der Bergbevölkerung hat. Es bedurfte einiger Überredungsarbeit, um in den Besitz einer frischen Steinadlerfeder gelangen zu können.

Neben Federn werden zur Herstellung von Vogelarzneien aber auch Blut und Fleisch verwendet. Die Besonderheiten des in Neuguinea anzutreffenden Laufvogels Kasuar ssp. veranlassten mich, einige frische Federn des Laufvogels für die Arzneiherstellung mit nach Europa zu nehmen.

Die Kasuare sind große flugunfähige Vögel und gehören zur Ordnung der Laufvögel (Struthioniformes). Sie bilden innerhalb dieser die eigene Familie Casuariidae, die mit den Emus (Dromaiidae) am nächsten verwandt sind. Die Familie besteht aus einer einzigen Gattung mit drei Arten.

 

                  Kasuare (Casuarius)

                       Bennettkasuar, Moruk (C. bennetti)

                             Helmkasuar (C. casuarius)

                             Einlappenkasuar, Goldhalskasuar (C. unappendiculatus)

 

 

Kasuare werden durch ein helmartiges, mit Horngewebe überzogenes Gebilde auf dem Kopf von den anderen Laufvögeln unterschieden. Ausgewachsene Tiere können 1,70 Meter hoch und bis zu 70 Kilogramm schwer werden. Der Kopf und bei zwei der drei Arten auch der Hals sind unbefiedert, sodass die blau und rot gefärbte Haut und rote Hautlappen sichtbar sind. Außerdem besitzen ausgewachsene Tiere an der Innenzehe ihrer Füße eine spitze lange Kralle, mit der sie sich im Ernstfall verteidigen können.

Kasuare leben in den tropischen Wäldern in Neuguinea und im Nordosten von Australien, einige auch auf benachbarten kleinen Inseln. Es ist aber unklar, ob diese ursprünglich dort heimisch waren oder ob ihr Vorkommen das Ergebnis des Handels mit Jungvögeln durch die Bewohner Neuguineas ist.

Die Kasuare sind scheue, heimliche Vögel, die tief im Wald leben und meist schon flüchten, bevor ein Mensch ihre Anwesenheit bemerkt. Sie sind aber ziemlich unberechenbar und können auch einen ausgewachsenen Menschen ernsthaft verletzen - auch Todesfälle sollen schon vorgekommen sein.

Bedingt durch die verborgene Lebensweise bestehen bei diesen Vögeln noch große Wissenslücken. Man weiß, dass sie 40 bis 50 Jahre alt werden können.

 

SCHLANGEN

Auf Papua Neuguinea findet man neben Pythonarten auch einige der giftigsten Schlangen, darunter den Taipan (Oxyuranus scutellatus) und die Todesotter Acanthopis. Ebenso kann man hier auch eine große Anzahl der verschiedensten Seeschlangen anzutreffen.

Diese sind um ein Vielfaches giftiger als ihre nahen Landverwandten. Sie wurden früher einer eigenen Gruppe hinzugezählt, heute gruppiert man sie unter die Familie der Elapiden. Ihr Toxin wirkt schon in geringen Mengen tödlich (zum Beispiel ist das Gift der Ruderschwanz Seeschlange 45mal stärker als dasjenige der grünen Mamba). Sie sind jedoch einerseits wenig beißfreudig und zum anderen haben sie als Trugnattern ihre Giftzähne nicht an der Maulspitze, sondern weit hinten im Rachen, wodurch es ihnen unmöglich ist, größere Bisse auszuführen. Seeschlangen müssen zum Atmen an die Wasseroberfläche.

Interessant ist der Umstand, dass Wasserschlangen fast ausschließlich Toxine in ihrem Gift haben und keine Enzyme zur "Aufbereitung" der Beute produzieren. Dies scheint ein Hinweis dafür zu sein, dass sie ihre Gegner nur abwehren, sie ihnen aber nicht zur Ernährung dienen. [xxix]

Strukturell ist das Gift jenem der Kobras ähnlich und blockiert die Acetylcholin-Rezeptoren an der motorischen Endplatte, was zu Lähmungen der Muskeln führt.

 

Natürlich wollte ich eine zufällige Begegnung mit der Plattschwanz-Wasserschlange Laticauda columbrina auf einer Insel südlich der Hauptstadt Port Moresby nützen, um sie für homöopathische Zwecke zu melken

Leider hatte jedoch mein intensives Bemühen, ihr das Gift aus den winzigen Giftzähnen zu entnehmen, keinen Erfolg, ich musste sie schließlich wieder in ihren natürlichen Lebensraum entlassen. Dies ist umso bedauerlicher, als Seeschlangen in Europa kaum in Gefangenschaft gehalten werden und dies eine der seltenen Gelegenheiten gewesen wäre, in den Besitz des Giftes zu kommen

 

Vulkane auf Neuguinea

Nördlich der Küste Papua Neuguineas findet sich die Insel Manam, eine der vielen Orte mit vulkanischer Aktivität. Allein in Indonesien gibt es über 500 vulkanische Inseln, davon sind 100 aktiv.

Wir konnten uns von den Auswirkungen eines Vulkanausbruchs auch in 200 km Entfernung ein Bild machen. Der Himmel wurde am Tag nach dem Ausbruch von Asche getrübt und alle Pflanzen der Umgebung waren mit Sand eingedeckt.

Vor Ort zeigte sich das Ausmaß der Eruptionen: 12000 Personen mussten von ihrer Insel an das gegenüberliegende Festland behelfsweise in Zeltdörfer evakuiert werden. Offenbar waren der psychische Druck und die räumliche Beengtheit der Evakuierten derart groß, dass es noch während unserer Anwesenheit zu schweren Ausschreitungen kam. Im Verlauf dieser Streitigkeiten wurde ein Dorf mit 100 Häusern niedergebrannt, ohne dass die Behörde einschreiten konnte.

Auf der Insel selbst fand ich nur mehr mit Asche bedeckte verlassene Dörfer und zurückgebliebene verängstigte Hunde, die bis auf die Knochen abgemagert waren.

 

In Anlehnung an die homöopathische Arznei Hekla Lava habe ich die frische Flugasche von den Blättern der Pflanzen aus der Vulkanumgebung, sowie frische Lava aus einem Lavastrom gesammelt und händisch zur Trituration verarbeitet.

 

Geschichte von Hekla Lava

Die Homöopathie kennt schon seit mehr als 130 Jahren die Vulkanarznei Hekla Lava, sie wird in Mezgers Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre als „Lava von dem bekannten Vulkan Islands“ beschrieben. [xxx]  Bei Clarke steht dagegen "The finer ash from Mount Hecla, falling in distant localities". [xxxi]

Die Arznei geht auf einen Bericht des Londoner Arztes Garth Wilkinson 1872 zurück. Er berichtete von schweren Vergiftungen von Weidetieren nach dem Ausbruch des isländischen Vulkanes Hekla. Es kam auch in der Folge zu schweren Kieferknochengeschwülsten und zum Versiegen der Milchbildung bei Schafen.

Die frische Flugasche enthält sehr viel Fluorid, das als wasserlösliches Salz nach einigen Monaten ausgewaschen wird, wodurch die Asche ihre Toxizität verliert.

Die Veröffentlichung von Wilinson im Jahre 1872 lag 27 Jahre nach dem letzten Ausbruch des Vulkanes auf Hekla, der 1845 stattgefunden hat. Es konnte sich bei der historischen Arznei also kaum um frische Lava mit hohem Fluoridgehalt gehandelt haben. Dennoch aber zeigen die spärlich vorhandenen Kasuistiken dieser Arznei die typischen Symptomatik der genannten Intoxikationen.[xxxii]

Aus diesem Grund erschien mir daher lohnend, die frische Asche dieses Vulkanes zu potenzieren, zumal sie sich einerseits durch die geologische Nähe zum Vulkan selbst und andererseits wegen des hohen Fluoridgehaltes von Hekla Lava im Arzneimittelbild unterscheiden muss. Eine Arzneimittelbildprüfung von Manam Lava soll in den nächsten Monaten erfolgen.

 

Die Betelnuss

Im Tiefland von Papua Neuguinea findet man die schlanke, hochwachsende Betelpalme Areca catechu. Von ihr stammen die Betelnüsse, die als Rausch- und Genussmittel im ganzen ostasiatischen Raum verwendet werden.

Dazu wird der Kern der Nuss im Mund zerbissen und zusammen mit einer Lianenfrucht eine kleine Menge gelöschten Kalks in die Mitte des Breis gebracht. Das Ganze wird nun unter starker Speichelbildung zerkaut, der Brei färbt sich nach einigen Minuten intensiv rot und bewirkt bei häufigem Genuss eine bleibende Rotfärbung der Zahnhälse. Die Nuss wird von der gesamten Bevölkerung verwendet, wir haben auch Kleinkinder mit den typisch roten Zahnverfärbungen angetroffen.

Interessanter Weise kümmert sich die Homöopathie nicht um die ausgeprägten Wirkungen des Inhaltsstoffes am Organismus.

Zur Bereitung der bekannten Arznei Areca catechu wird nicht die Nuss, sondern das Kernholz der Palme eingedickt und das so gewonnene Extrakt  zur Potenzierung verwendet. Diese wird nach Vorschrift 4a des HAB mit Ethanol 86% hergestellt. [xxxiii]

Der Wirkstoff der Nuss Arecolin wirkt erregend auf den Parasympathicus: Es hat starke speichelflußanregende und anthelmintische Wirkung. Bei hoher Dosierung führt es zu Bradykardie und Tremor, die tödliche Dosis des Samenpulvers liegt bei 8 bis 10 g. Der Tod tritt durch Atemlähmung und Herzstillstand ein. [xxxiv]

Durch den Kalk und die resultierende Alkaloidfreisetzung färbt sich die Betelnuss intensiv rot, was dem Kauenden den typischen Anblick verleiht.

Die Betelnuss hat für die Bevölkerung dieselbe Bedeutung wie Tabak in unseren Breiten.

In der Datenbank unseres Labors wird nun auch die Arznei Areca angeführt als Areca catechu e seminibus, sie wurde aus dem Samen nach § 270 des Organon 6 durch Handtrituration bis zur C3 potenziert.

 

Einige Bemerkungen zur Arzneisuche

Vor Antritt einer derartigen Reise ist es erforderlich, die Vorgangsweise bei der Arzneisuche und Herstellung im Regenwald zu überdenken und vorzubereiten.

Das dafür erforderliche Instrumentarium ist platzsparend und passt in jeden Rucksack.

Eine Porzellanreibschale mit Spatel und Pistill, mehrere Dosen gefüllt mit 6 g Milchzucker, eine kleine Handwaage und ein scharfes Messer bilden die Grundausstattung. Weiters sind destilliertes Wasser und Ethanol zur Sterilisation der Geräte und eine Stoppuhr für die Einhaltung der Verreibungsintervalle erforderlich.

 

Die Trituration

Der entsprechende Arzneigrundstoff (Schlangengift, Blüte, Blatt,...) wird mit der vorbereiteten Menge Milchzucker in einer genau definierten Abfolge von Verreiben und Abschaben ein Stunde lang trituriert. Dabei werden von frischen Pflanzen 120 mg verwendet, bei trockenen Teilen 100 mg, bei anorganischen Stoffen 60 mg und bei Giften ein Tropfen der Flüssigkeit verwendet.

 

Die fertige Arzneiverreibung – in unserem Fall die 1. Centesimalverreibung - wird nun in einem kleinen Behälter luftdicht verpackt und später in unserem Labor weiterverarbeitet.

Durch diese Vorgangsweise werden die Ressourcen der Natur in keiner Weise belastet, die hohen Verdünnungen, die man durch die homöopathische Potenzierung erreicht, machen es möglich, dass ein Ausgangsstoff für eine Arznei nur ein einziges mal verarbeitet werden muss.

Für die Protokollierung unseres Kontrolllabors wird von Pflanzen ein Trockenpräparat angefertigt, um auch Jahre später die Identität der Arznei überprüfen zu können.

Teile von Tieren und Insekten werden in Alkohol eingelegt und als Referenzmuster zurückgestellt. Natürlich werden von allen Ausgangsstoffen auch Dias, heute vorzugsweise Bilder in digitaler Form, angefertigt und archiviert.

Das einzige zu erwartende Problem kann beim Grenzübertritt der Umstand sein, dass man mit Milchzucker gefüllte Dosen mit sich führt und ein Verdacht auf einen Transport von Suchtgift aufkommen könnte. Mir persönlich ist das aber nie passiert, ich konnte meine Verreibungen immer unbehelligt in unser Labor bringen.

Die Niederschlagsmengen im tropischen Regenwald sind enorm hoch. So hebt und senkt sich beispielsweise der Wasserspiegel des Amazonas im jahreszeitlichen Durchschnitt bei Manaus um 14 m, und dabei ist Manaus noch 3000 km von der Mündung entfernt.

Bei dieser hohen Luftfeuchtigkeit ist es nicht ganz einfach, unter hygienischen Bedingungen zu arbeiten, die Schweißbildung an Stirn und Hand macht hier sehr zu schaffen.

Das System Reibschale und Pistill ist aber ein sehr effektives, da beim Reibungsvorgang punktuell sehr hohe Druckwerte erzielt werden und fortwährende visuelle Kontrolle des Vorganges erfolgt.

Der scheinbar härteste Teil, den ich jemals verreiben musste, war bemerkenswerter Weise ein Schmetterlingsfühler, der auch nach einer Stunde dem Druck und der Scherkraft des Pistills zu trotzen schien.

 

Keineswegs verliefen alle meine Reisen in den Urwald ohne Komplikationen:

Es war am Rio Negro im Jahr 1993, als wir einen mehrstündigen Marsch durch den Regenwald machten und vor Einbruch der Dämmerung ein Lager aufschlugen.

Ich hatte meinen Rucksack an den Stamm des Baumes gebunden, an dem auch meine Hängematte hing. In der Nacht wurde ich durch laute, zornige Rufe meiner Führer geweckt. Im Lichtkegel meiner Taschenlampe entdeckte ich unglaublich viele riesige Blattschneiderameisen, die sich über unsere Ausrüstung einschließlich unserer Rucksäcke und Schuhe hermachten.

Mein Reisekollege verließ fluchtartig unseren Lagerplatz und rettete sich für die nächste Stunde in den Tümpel in unmittelbarer Nähe. Wir brachten unsere Habseligkeiten in unseren Hängematten in Sicherheit und warteten sehnlichst auf den Tagesanbruch, eine Rückkehr nach Hause in der Dunkelheit schloss der Führer aus Sicherheitsgründen aus. Mein Rucksack war am nächsten Morgen total durchlöchert und reif für den Müll. 

Die Menschen haben es im Regenwald gelernt, mit der riesigen Anzahl von Insekten, die man überall antreffen kann, umzugehen. Einfache Hilfsmittel sind es oft, die verhindern, dass Nahrungsmittel innerhalb weniger Minuten von Ameisen vernichtet werden.

Ernsthafte Gefahren kamen auf meinen Reisen niemals von Tieren des Urwaldes, keine Spinne, Schlange oder sonstiges Getier machten mir oder meinem Reisebegleiter jemals ernsthafte Probleme.

Es waren vielmehr die Menschen, die in ärgster Armut lebten und mich als willkommene Quelle neuen Reichtums betrachteten. Ich mache es mir zur Gewohnheit, den Antritt einer Reise in den Busch gemeinsam mit meinem ortskundigen Führer bei der örtlichen Polizei zu melden. So war immerhin gewährleistet, dass man im Falle meines Verschwindens den Führer zur Verantwortung ziehen würde.

Die geeignete Person für die Reise in den Busch habe ich immer erst kurz nach Ankunft am Zielort gesucht. Dabei waren Englischkenntnisse, sowie gute Kenntnisse der Flora und Fauna und Umgänglichkeit ausschlaggebend.

Damit ich auch die Namen der gesuchten Pflanzen dem Führer mitteilen kann, nehme ich ein ethnobotanisches Nachschlagewerk mit. Darin sind neben den systematischen Namen auch die Abbildungen und vielfach die Namen gemäß der lokalen Volksmedizin angeführt.

Ein gesundes Maß an Menschenkenntnis bei der Wahl der Reiseführers ist für den Erfolg einer Tropenreise oft entscheidend.

Es passierte mir bei einer Fahrt am Rio Negro, dass mein sonst sehr erfahrener und sympathischer Führer plötzlich für mehrere Tage verschwand und mich meinem Schicksal überließ. Etwas später erfuhr ich, dass er sich durch exzessiven Rauschgiftkonsum ausgeschaltet hatte.

Eine andere große Gefahr auf derartigen Reisen lauert in der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse.

So wollte ich gemeinsam mit meinem Reisegefährten den Pozuzo, einen Quellfluss des Amazonas, mit dem Schlauchboot befahren und entging dem Ertrinkungstod nur knapp – wir kenterten im reißenden Gebirgsfluss zweimal und verloren dabei unsere gesamte technische Ausrüstung. Sträflicher Leichtsinn ließen uns die Reise auf dem Pozuzo am Oberlauf des Solimoies planen, dies obwohl wir keine Erfahrung im Wildwasserbefahren hatten.

Im Nachhinein erfuhren wir, dass in diesem Jahr 16 Personen im Fluss ertrunken waren. Der Mann, der uns nach dem Zwischenfall in seinem Haus aufgenommen hatte, hatte seine Frau vor 6 Monaten ebenfalls an eben diesem Fluss verloren.

Auch hatten wir bei dieser Perureise keine Kenntnis über die Tatsache, dass in dem Gebiet, in dem wir uns aufhielten, Kokainanbau betrieben wurde und Eindringlinge von den Kokainbaronen umgehend eliminiert werden. Wir fuhren nichtsahnend und guter Dinge in unserem Schlauchboot durch dieses Gebiet und wurden glücklicherweise vom Militär aufgegriffen und in Schutzhaft genommen, eine damals für mich durchaus interessante und neue Erfahrung.

Ein andermal am Rio Negro/Nordzufluss des Amazonas fuhren wir etwa 20 Tage mit einem Boot direkt am Äquator entlang. Dies ohne Sonnensegel und ausreichende Kopfbedeckung – eine grandiose Unterschätzung der extremen Klimabedingungen.

Ich erlitt einen Kreislaufkollaps und Sonnenstich, der mich für mehrere Tage ins Militärspital von Sao Gabriel da Cachoeira brachte.

 

Da die Hygienebedingungen bei solchen Reisen häufig sehr schlecht sind, ist jede Gelegenheit zur Körperpflege eine willkommene Abwechslung. Meine Begeisterung für eine Nassrasur mit dem Messer in einem kleinen Dorf am Orinoco bezahlte ich mit einer Hepatitis, die mich fast ein Jahr außer Gefecht setzte - dies, obwohl ich einen aktiven Hepatitis-Impfschutz hatte. Seither unterlasse ich auch hier in Europa die Rasur durch fremde Friseurhände.

 

Apropos Impfungen

Vor all meinen Reisen habe ich das komplette Impfprogramm durchgemacht, je nach Reiseziel neben Malariaprophylaxe auch Tollwut und Japan-B Encephalitis.

Ich habe dies immer im sicheren zeitlichen Abstand zum Abreisetermin durchgeführt, da regelmäßig eine deutliche Schwächung des Organismus kurz nach Impfung auftrat. Die neurologischen Erscheinungen einer latenten chronischen Borrelioseerkrankung werden bei mir dadurch regelmäßig aktiviert.

Ich habe das alles auf mich genommen, weil eine homöopathische Prophylaxe bzw. Therapie nur durch einen bei der Reise anwesenden Homöopathen überwacht bzw. durchgeführt werden kann. Die Selbstbehandlung mit einem Homöopathicum sehe ich bei ernsten Situationen als problematisch.

Am Anfang meiner Tropenreisen habe ich mich noch um die Mitnahme eines polyvalenten Schlangenantiserums bemüht, es aber später von der Checkliste genommen.

Man kann für das entsprechende Reiseziel kaum ein geeignetes Serum finden und im Ereignisfall ist es ausschließlich die Entscheidung eines Arztes, ob und wie viel davon verabreicht werden soll. Immerhin ist die Gabe eines Antiserums selbst nicht ohne Gesundheitsrisiken.

Überdies ist es auch nicht möglich, die Kühlkette für das Serum aufrecht zu halten.

Es gibt aber  sehr hilfreiche allgemeine Verhaltensregeln beim Gang durch den Regenwald, die, wenn sie eingehalten werden, die gröbsten Zwischenfälle vermeiden können.

Beim Gang ist laut aufzutreten, die Verwendung eines Stocks ist auch hilfreich, denn fast alle Schlangen sind erschütterungsempfindlich und ziehen sich zurück.

 

  • Keine Äste und Baumstämme mit bloßen Händen berühren, ohne sie vorher eingehend auf Skorpione untersucht zu haben.
  • Keine Kleidung mit Signalfarben tragen.

  • Am Morgen vor dem Aufstehen die Schuhe ausschütteln.
  • Nachts beim Lagern unter freiem Himmel ein Feuer am brennen halten, um Großkatzen abzuhalten.
  • Nicht ungeschützt am Strand eines Flusses die Nacht verbringen, auch wenn es noch so verlockend wäre. Eine Geburtstagsfeier einer kleinen Gruppe von Arbeitskollegen am Rio Negro endete vor einigen Jahren fatal. Ein Mann aus der Gesellschaft entfernte sich spätnachts an den Strand und legte sich dort zur Ruhe. Am nächsten Tag fand man nur noch die Spuren einer Würgeschlange, vermutlich eine Anakonda, der der Mann zu Opfer gefallen war.

 

Von der Mitnahme einer Schusswaffe habe ich bisher Abstand genommen, da ich wahrscheinlich den Flughafen Schwechat erst gar nicht verlassen hätte können. Außerdem stellt eine Waffe für Ungeübte meines Erachtens mehr Selbstgefährdung als Selbstschutz dar und würde wahrscheinlich im Ernstfall nicht zum Einsatz kommen. Um die Hürde des „Abdrückens“ zu überwinden, bedarf es schon einiger Übung und Erfahrung.

 

[1] Das Arzneimittelbild ist die Summe jener Symptome, die bei einer gesunden Person nach Einnahme dieser Arznei auftreten

 


 

[i] Genneper, Wegener; Lehrbuch der Homöopathie; Haug-Verlag (2001) 365.

[ii] ebenda 10.

[iii] Uta Santos-König,  Arzneimittelprüfung von Adeps Boae constrictoris, 1996, info@santos-koenig.at

[iv] Begin, Marty; 715 Bloor Street West S. 2; M6G 1L5 TORONTO,ONTARIO, CAN; mbegin2@netzero.net

[v] Jan Scholten, Servaasbolwerk 13, 3512 NK UTRECHT (HOLLAND); mail@alonnissos.org

[vi] Müller, Karl Josef; Maxstraße 11, D-66482 Zweibrücken, Tel0049-6332-73131

[vii] Der neue Clarke, Verlag für homöopathische Literatur, Bd. 4, (1996) 2199.

[viii] Keller, Greiner Stockebrand; Homöopathische Arzneimittel, Govi Verlag, Bd. 2 (1995)

[ix] Vermeulen F.; Synoptische Materia Medica, Emryss by Publishers, 1. Auflage (1998) 456.

[x] Vermeulen F.; Synoptische Materia Medica, Emryss by Publishers, 1. Auflage (2000) 820.

[xi] Keller, Greiner Stockebrand; Homöopathische Arzneimittel, Govi Verlag, Bd. 2 (1995)

[xii] ebenda

[xiii] ebenda            

[xiv] Schwabe Willmar, Pharmacopoea homeopathica polyglotta; Leipzig, 2. Aufl., (1890) 214.

[xv] Der neue Clarke, Verlag für homöopathische Literatur, Bd. 1, (1996) 2781.

[xvi] s. Endnote 4

[xvii] s. Endnote 3

[xviii] Müntz, Robert; Vanilla planifolia, FH 7 (2001), 6.

[xix] Feltes/Neuhöfler; Arzneimittelprüfung von Coelogyne pandurata; FH 16 (2003), 2.

[xx] Vermeulen F., Konkordanz, Emryss by Publishers, (2000) 628.

[xxi] Bharatan, Humphres Barnet, Plant Names in Homeopathy, The National Museum, London (2002)

[xxii] Bolte A, Wichmann J., Die natürliche Verwandtschaft der Heilmittel, Fagus Verlag, 1.Aufl. (1997)

[xxiii] Homöopathisches Arzneibuch 2004, Govi-Verlag, (2004)

[xxiv] Schwabe Willmar, Pharmacopoea homeopath

 

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